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Freitag, 15. Februar 2008

schriftzug



zwischen bild und nichtbild oder alles ist text ...



"Für Derrida ist schlechthin alles Text - Text, der nach Lektüre verlangt, die aber nicht auf seinen Sinn mehr ausgerichtet ist, sondern sich selbst als sinnvolle Praxis versteht, indem sie die an ihn herangetragenen Sinnanmutungen dekonstruiert und die Beschränkungen ihres jeweiligen Bedingungskontextes aufdeckt. Die oft scharfsinnige Dekonstruktion soll - darin liegt der Unterschied zur Ideologiekritik - nicht in eine neue Interpretation münden, der als solcher schon der Ruch des Totalitären anhaftet. Gleichwohl geht es Derrida um ein Absolutes: Die Intention seiner Lektürestrategie ist es, die 'différance' aufzufinden, den Heideggerschen 'Rest', der durch den 'Überfall' der Begriffe auf die Dinge unterdrückt wird. So hat Derrida die 'Bauernschuhe' van Goghs aus den Aneignungsgesten Heideggers und Schapiros befreit und an ihrer Stelle eine Lektüre entwickelt, die sich den Nebenbedeutungen, dem Nebensächlichen widmet. Derrida nennt diesen Bereich in Anlehnung an eine Passage aus Kants Kritik der Urteilskraft die 'Parerga'. Damit ist eine quasi örtliche Bestimmung des 'Dazwischen' gemeint, etwas, das zwischen Bild und Nicht-Bild, dem Innen und dem Außen steht, ein Beiwerk benennt, das keines ist, also nicht im Sinne bloß schmückender Funktion das Bild umrahmt, sondern sich tendenziell verselbstständigt. Auf dieses 'Dazwischen', das die transzendente Wahrheit der Kunst dann doch aufrechterhält, wenn auch indirekt, bezieht sich auch der Terminus 'Chiasmus'. Merleau-Pontys Ontologie der Wahrnehmung benennt so das zwischen dem Selbst und dem Anderen sich bildende Geflecht eines wechselseitigen Überschreitens und Übergreifens."

Regine Prange: Rezension von: Olga Lewicka: Pollock. Verflechtungen des
Sichtbaren und des Lesbaren, München: Wilhelm Fink 2005, in: sehepunkte 6
(2006), Nr. 2 [15.02.2006]

Samstag, 5. Januar 2008

schriftzug



ausschluss durch einschliessung und umgekehrt....



"Die Abschaffung des für das Subjekt konstitutiven und lebenswichtigen Bezugs zur Instanz des Gesetzes ist m.a.W. gleichbedeutend mit der (Selbst-) Abschaffung des Subjekts. Die Phantasie des eigenen Todes bildet nur die Kehrseite des Mords (von hier aus wäre auch das aktuelle Phänomen der terroristischen Selbstmordattentate zu reflektieren): „Töten und Sich-töten-lassen gehen zusammen. .... Wenn bei Legendre (oder auch bei Lacan) von der Vater-Figur die Rede ist, so muss gleich im Voraus klargestellt werden, dass damit kein konkretes Subjekt gemeint ist, sondern dass es sich dabei vielmehr um den Vater als Funktion und als Prinzip handelt und dass diese Vater-Funktion wiederum nicht zu verwechseln ist mit irgendwelchen (etwa patriarchalen) historisch variablen Vater-Rollen. In Bezug auf die Vater-Figur bewegt sich sowohl Legendres als auch Lacans Argumentation auf einer strukturalen Ebene und hat folglich überhaupt nichts mit der Fortschreibung irgendwelcher misogyner bürgerlich-patriarchaler Ideologeme zu tun, wie das manche feministischen KritikerInnen gern Lacans psychoanalytischem Denken unterstellen wollen. .... Das „Amt des Vaters“ besteht also darin, den Zugang zu dem strukturalen Platz des Absoluten zu versperren, dessen identifikatorische Aneignung, Einverleibung zu unterbinden, dessen Unverfügbarkeit zu garantieren und diese Grenze an die nächste Generation weiterzugeben.

Der Gebrauch des Begriffs >Vateramt< signalisiert dementsprechend, dass kein konkreter Vater der Herr des Verbots, der Gesetzgeber ist, sondern dass er lediglich seinem Kind den lebensnotwendigen Bezug zum Prinzip des Gesetzes (zur absoluten Referenz) zu vermitteln hat. Die Instanz des Vaters erfüllt m.a.W. ausschließlich eine Vermittlungsfunktion: sie bindet den Sohn (das Subjekt) an das Gesetz, aber sie vermag aufgrund ihrer ganz bestimmten strukturalen
Position, nämlich am Platz206, an dem die Gründungsreferenz der Gesellschaft repräsentiert wird, durchaus auch normative Wirkungen auf das Subjekt auszuüben. In der ödipalen Ordnung der Triangulation spielt der Vater die Rolle des sozialen/institutionellen Dritten, der den (selbst)mörderischen imaginären Zirkel der inzestuösen Mutter-Kind-Beziehung aufbricht, um daraus herauszuführen und durch den Imperativ der Trennung und Differenzierung, den er - eben als Funktion - repräsentiert, leere Freiräume zur Entfaltung der (Inter-)Subjektivität zu schaffen. Erst durch die Durchquerung des Phantasmas der imaginären Ganzheit/Einheit wird der Zugang zur Kastration des Anderen (zum ödipalen Gesetz) eröffnet, welche die Grundvoraussetzung jeder Metaphorisierung und d.h. auch jeder Subjektivierung - die Subjektivität entsteht mit der Trennung vom Anderen in der Ordnung der Signifikanten - darstellt. ....

Im Spiegel sein=Namenlos sein=Wundenlos sein= Tot sein

ZITAT
ELENA PAVLOVA: KörperBilder-BildKörper - Annäherungen an Elfriede Jelineks Theater unter besonderer Berücksichtigung seiner kritischen Dekonstruktion des faschistischen Körper-Diskurses,

Samstag, 17. November 2007

schriftzug



Worüber man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“ ...



"Die ewige Mystik ist zu scheiden von den vielen zeitgebundenen Selbst-Mystifizierungen. Hier ist Überschwang, der alle Besonderheiten und räumlich-zeitlichen Determinanten in die Unio mitnimmt, dort ist Zurückhaltung. Zieht man die vielfältige Phantasie ab, welche die Geschichte der Mystik zur Ausstellung aller Aberglauben gemacht hat, dann bleibt, von Eckhart bis Wittgenstein, die Verschmelzung eines beseelten Körpers mit dem Geheimnis, das nicht offenbar wird. Die Nicht-Offenbarung ist der Inhalt der mystischen Einswerdung. Wie alle echten Mystiker blieb auch Kierkegaard außerhalb; das gemeinsame Erlebnis der Eingeweihten ist, daß der Vorhang sich nicht hob. Der „Abgrund“: das war immer der Blick ins Bodenlose. Das mystische Element im Woyzeck: der Boden ist keiner. Die fliegende Motte fliegt in ein Licht, in dem nichts zu sehen ist, das vielmehr blendet. Das Geheimnis wird erst ganz sichtbar, wenn die Welt weggeblendet ist. Zur Welt gehört auch der Myste."

herbert marcuse über mystik

Freitag, 16. November 2007

schriftzug



transzendentale arroganz....



"Das unmittelbare personale Bewußtsein an sich bleibt bis in die höchsten Tiefen hinein ein Leben lang individuell-einzigartig, realisiert sich stufenlos, ist nicht austauschbar und kann auch nicht auf ein sogenanntes „transpersonales Bewußtsein“ erhöht werden. Sogenannte „transpersonale Stufen“ entbehren jeder geistigen Realität, - die Konstruktion „transpersonaler Stufen“ lehne ich kategorisch ab! Konsequent weitergedacht bedeutet Transpersonalität fremdbestimmte Unmündigkeit. Wenn von Entwicklungsstufen des Bewußtseins die Rede ist, liegt Jean Gebser, entgegen Wilbers Ansicht (S. 117), schon ganz richtig, diese Stufen bis hinauf zur integral-existentiellen einzugrenzen. Der die Bewußtseinsstufen umschließende personale Prozeß der Wahrheit an sich vollzieht sich niemals als eine hierarchisch-gestufte bzw. chronologische Entwicklung, sondern ist immer eine existentiell-ethische Offenbarung. Übrigens wird auch das Wort „Transzendieren“ von Wilber in einem evolutionistischen Sinne mißbraucht; „Transzendieren“ ist bei ihm kein unmittelbares personal-schöpferisches und dialogisches Inbeziehungtreten von Ich und Du im Wir in der Tiefe der Persönlichkeit, d. h. in der Tiefe gottmenschlicher Wahrheit, sondern das Gewährenlassen bzw. die unschöpferische Hingabe zu – sagen wir – einer absoluten Einsicht, die den Menschen im evolutionistischen Sinne zur vollkommenen Einheit führt. Und solange wir uns nicht hingeben, suchen wir, - und das bezeichnet Wilber dann als „Atman-Projekt“. Wer auf der Suche ist, verweigert sich demnach einer nondualen Erlösung, die zugleich höchste Glückseeligkeit verspricht. Die schöpferische Kraft geht also, Wilber zufolge, vom „GEIST“ aus, der Mensch ist nur „Sein“ williges Instrument und soll sich gefälligst nicht zu einer erschreckenden „anthropozentrischen Arroganz“ (S. 128) versteigen."

ZITAT


statt einer anthropozentrischer arroganz entwickelt ken wilber aber eine transzendentale arroganz! alter wein in neuen schläuchen!

Freitag, 9. November 2007

schriftzug



bis zum äussersten....




emmanuel-levinas

Emmanuel Levinas:

"Einem Menschen begegnen heißt,
von einem Rätsel wachgehalten zu werden."

Dienstag, 6. November 2007

schriftzug



oudos und eidos -



Das wichtigste Merkmal einer Substanz ist für Aristoteles, als dasselbe beharren zu können und wechselnde Eigenschaften annehmen zu können.

Nach Aristoteles ist Substanz (ousia) das, was im eigentlichen Sinne seiend ist.

ZITAT:

"eidos hat für Aristoteles v. a. folgende zwei von einander unterschiedene Bedeutungen:

* im Sinne der logischen oder naturwissenschaftlichen Klassifikation die Art einer Gattung.
* im Sinne der Form (etwa einer Bronzekugel, bzw. die Konstruktionsanleitung eines Hauses) der Gegenbegriff zur Materie, dem Stoff, der hylê (dieser Bronzekugel, der Bauteile dieses Hauses).

eidos ist für Aristoteles ein überaus zentraler Begriff. So lautet das Ergebnis der bekannten Abhandlung in Metaphysik Zeta, dass die Substanz, die ousía die Form, das eidos ist."

Samstag, 3. November 2007

schriftzug



endlose partikularisierung....




".... da werden Teilchen erfunden, die das machen, was wir nicht verstehen. Also meiner Meinung nach sind Teilchen immer Lösungen von Problemen die wir nicht anderweitig lösen können. Teilchen sind Erfindungen, um gewisse Probleme besser erklären zu können.... sagen wir, es ist eine Lücke in einer Theorie, über die man nicht drüberspringen kann, da sind dann einfach Teilchen... die entweder rot, gelb, grün.... das Loch in meiner Theorie füllen. Jedes Teilchen das wir heute in der Physik haben, ist die Antwort auf eine Frage in einer Theorie, die wir nicht beantworten können."


HEINZ VON FÖRSTER in dem Film DAS NETZ

Montag, 22. Oktober 2007

schriftzug



dazwischen....



"Zwischenräume haben mit Ganzheitlichem Denken zu tun. Denn das Zwischen ist gerade dort verortet, wo es nicht mehr nur um das Einzelne geht, sondern um die Wechselbeziehung, die Übergänge zwischen dem Einen und dem Anderen: zwischen Peripherie und Zentrum, Kunst und Wissenschaft, zwischen Ereignis und Nichtereignis, Text und Bild, Muster und Struktur, Sinn und Unsinn, Banalität und Glaubwürdigkeit, Inklusion und Exklusion, zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Recht und Unrecht, Sein und Design, zwischen hier und dort, zwischen Scheitern und Neuanfang, zwischen Himmel und Erde..."

Hagen Schulz-Forberg & Dariusz Radtke, Berlin 7.Juni 2006


beat wyss
benjamins dialektisches bild
bildung zwischen ent-eignung und er-lösung
blinder punkt
collage und konfetti-dialog statt komplexe argumentation
dazwischen
dead man meets nobody
deleuze'sche fluchtlinien
derrida trifft coleman
flusser bild
hase und igel
hegel's dialektik
ironisierung als sturm
LEHMANN - am nullpunkt
medial mögliche beschleunigung und sinnliche perzeption
mystik
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